Viel über sich selbst gelernt
WERNAU: Svenja Fuchs war beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend
Eigentlich wollte sie eine Ausbildung bei der Polizei machen. So ganz sicher war die Wernauerin Svenja Fuchs dann aber doch nicht, als sie ihr Abi am Biotechnologischen Gymnasium in Esslingen-Zell in der Tasche hatte. Und weil ihre ältere Schwester von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) bei der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) in Wernau „total begeistert“ war, bewarb sich die 20-Jährige beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). „Ich dachte mir, dass es ähnlich sein wird.“ Die langjährige St. Magnus-Ministrantin wurde genommen - und war erstaunt, wie vielseitig das Jahr war, wie häufig sie unterwegs war und wie viel sie über sich selbst gelernt hat. „Ich hätt' gern noch ein Jahr drangehängt“, sagt sie euphorisch. „Ich habe viele tolle Erfahrungen gesammelt, viele neue Leute kennengelernt und bin reifer geworden.“ Auch wenn sie viele Wochenenden bei Diözesankonferenzen und Versammlungen unterwegs war, in den Unterkünften fürs Einchecken der Teilnehmer zuständig war, und ihren Freunden deshalb häufiger absagen musste. „Das hat mir nichts ausgemacht.“
Zu 50 Prozent war ihre Stelle im Antoniushaus Wernau bei der Katholischen Landjugendbewegung angesiedelt, die andere Hälfte arbeitete sie im Büro nebenan für die Katholische Studierende Jugend. Auf einer Baden-Württemberg-Karte hat die 20-Jährige angezeichnet, wo sie überall war: Heilbronn, Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd, Ulm, Friedrichshafen, Tettnang, Ravensburg, Aulendorf und etliche andere Orte sind markiert. Hin und wieder nahm sie einen früheren Zug, um die Stadt noch kurz anzuschauen.
Nebenbei Schwäbisch gelernt
Fünf Mal trafen sich alle FSJler der Diözese Rottenburg-Stuttgart zu Seminaren. „Das war super“, sagt Svenja Fuchs. Weil die Teilnehmer aus ganz Oberschwaben kamen, hat die Hochdeutsch Sprechende nebenbei noch einen Schwäbischkurs bekommen. Die FSJler haben sich zur Erinnerung einen Kapuzenpulli bedrucken lassen, auf dessen Rücken die Namen aller Teilnehmer stehen. Vorne prangt unter einem Verkehrsschild: „i bin Fußgänger, i kenn mi ned aus“. Ein Spruch, der in der Gruppe regelmäßig für Lacher sorgte. Sie durfte die Kurse zur Gruppenleiterin absolvieren und selbst Kurse teamen. Da waren Rollenspiele zu absolvieren, man lernte, als Streitschlichter einzugreifen, Diskussionen zu moderieren, auf Gruppen einzugehen, die jeweiligen Stimmungen einzuschätzen, zu motivieren. Frei vor Gruppen zu sprechen und selbstorganisiertes Arbeiten ist seitdem kein Problem mehr für sie.
Auch Vorurteile gegenüber dem bäuerlichen Leben habe sie durch den Arbeitskreis „Heimvorteil“ der Landjugend abgebaut. Die Jugendlichen müssten auf den Höfen hart arbeiten, seien aber „sehr locker drauf, freundlich und offen“. Ihre Heimat schätzt sie inzwischen anders ein: „Ich dachte immer, Wernau sei ein Kaff, jetzt ist es für mich ein Großstadt“, sagt die junge Frau fröhlich lachend.
Ein Höhepunkt war dann eine einwöchige Studienfahrt in eine echte Großstadt: Es ging nach Berlin, eine Anlaufstation war die Internationale Grüne Woche. Während des Sozialen Jahrs wurde ihr auch klar, wie ihre Zukunft aussehen soll. Demnächst zieht sie nach Freiburg. An der Katholischen Hochschule wird sie Soziale Arbeit studieren. „Ich kann mit gut vorstellen, in die Offene Jugendarbeit zu gehen.“



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